Wieviel KI verträgt ein Roman?

Roboter oder KI schreibt einen Roman

Künstliche Intelligenz – kurz KI – ist in aller Munde. Besonders Menschen, die schreiben, recherchieren, übersetzen oder kreativ mit Sprache arbeiten, setzen sich früher oder später mit ihr auseinander. Da ich selbst zu dieser schreibenden Zunft gehöre, beschränke ich mich in diesem Artikel auf Text-KI. Die bekanntesten Vertreter sind ChatGPT, Claude, Gemini und Perplexity. Doch wieviel KI verträgt ein Roman oder andere Texte?

Über KI gehen die Meinungen weit auseinander. Für die einen ist sie eine faszinierende Unterstützung, für die anderen eine bedrohliche Konkurrenz. Aber was steckt eigentlich dahinter?
Seit meinem letzten Artikel über KI «Roman schreiben mit KI» hat sich die Technologie bereits wieder rasant weiterentwickelt.

Diese Frage stelle ich Google und erhalte unter anderem folgende Antwort:

Künstliche Intelligenz (KI) ist ein Teilgebiet der Informatik, das darauf abzielt, Maschinen und Computerprogramme zu entwickeln, die menschliche Fähigkeiten imitieren. Dazu gehören logisches Denken, Lernen, das Erkennen von Mustern und das selbstständige Lösen von Problemen.

Das wichtigste Wort in dieser Definition ist für mich: imitieren. KI ahmt menschliche Fähigkeiten nach. Sie ist eine riesige Rechenmaschine, die Informationen in Sekundenschnelle kombiniert und daraus Antworten erzeugt.

KI kann nicht denken. Sie hat keine eigenen Erfahrungen, keine echten Emotionen und keine Empathie. Alles, was sie ausgibt, basiert auf Daten, Mustern und Wahrscheinlichkeiten.

Ich war von Anfang an fasziniert von den Möglichkeiten der KI – und gleichzeitig sehr skeptisch. Deshalb wollte ich verstehen, wie sie funktioniert und wo ihre Grenzen liegen. Ich besuchte Online-Weiterbildungen, las zahlreiche Erfahrungsberichte und probierte vieles selbst aus. Relativ schnell merkte ich jedoch, dass die Möglichkeiten fast grenzenlos sind. Deshalb nutze ich KI heute bewusst nur punktuell und zielgerichtet.

1. Recherche zu Orten oder Themen

Eine Romanfigur bewegt sich beispielsweise in einer Stadt oder einem Land, das ich nicht kenne. Dann frage ich die KI: Wie sieht es dort aus? Welche Pflanzen wachsen dort? Was wird gegessen? Wie leben die Menschen?

2. Entwicklung von Romanfiguren

Beispiel: Meine Heldin ist arrogant, unsicher und fühlt sich als Aussenseiterin. Wie reagiert sie auf einen Mann, der freundlich und hilfsbereit ist, ihre schlechte Laune aber überhaupt nicht versteht?

3. Charaktere vertiefen

Ich beschreibe eine Figur und frage nach möglichen Hobbys, Freundschaften, Konflikten oder Entwicklungsmöglichkeiten. Nicht, um die Vorschläge zu übernehmen, sondern um neue Denkansätze zu erhalten.

4. Ideen finden

Ein Kapitel steckt fest. Etwas Gefährliches, Spannendes, Trauriges oder Geheimnisvolles soll passieren. Welche Vorschläge hat die KI?

5. Schreibblockaden überwinden

Manchmal hilft schon ein Gespräch mit KI über die Geschichte – schriftlich oder mündlich. Oft löst sich dabei eine Blockade schneller als erwartet.

6. Kurze Texte schreiben, strukturieren und überarbeiten

Blogartikel lasse ich gelegentlich von der KI überarbeiten. Anschliessend kann sie mir auch Vorschläge für Social-Media-Beiträge oder passende Bildideen liefern.

7. Texte transkribieren

Die ChatGPT-App (und vermutlich auch andere KI-Apps) bietet eine Aufnahmefunktion. Damit kann ich Gedanken und Notizen einsprechen und innerhalb kurzer Zeit ein Transkript erstellen lassen. Vorsicht allerdings: «Chatty» beginnt sofort, den Text zu analysieren und Verbesserungsvorschläge zu machen. Davon sollte man sich nicht allzu leicht verführen lassen.

Grundsätzlich gilt: Man muss nicht jeden Vorschlag übernehmen. «Chatty» verabschiedet sich nie freiwillig. Stattdessen lobt er ausdauernd, präsentiert weitere Varianten und liefert immer neue Ideen. Den Schlusspunkt setzt deshalb immer der Mensch. 😉

KI-Texte überarbeiten

Die ersten Textvorschläge einer KI einfach unverändert zu übernehmen, halte ich für keine gute Idee. Selbst wenn man die KI ausführlich mit Informationen über den eigenen Stil gefüttert hat, klingt das Ergebnis selten wirklich nach dem eigenen Text.

Besonders auffällig sind derzeit bei ChatGPT die vielen Gedankenstriche, die kurzen, abgehackten Sätze, überflüssige Absätze und immer gleiche Formulierungen wie: «Nicht weil … sondern weil …».

Das kann sich in ein paar Monaten wieder ändern, doch momentan erkennt man solche Muster oft auf den ersten Blick.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: KI gibt nur selten zu, etwas nicht zu wissen. Stattdessen kombiniert sie vorhandene Informationen und erfindet im Zweifel auch einmal etwas dazu. Sie halluziniert. Das klingt oft erstaunlich überzeugend – kann aber komplett falsch sein.

Deshalb gilt für mich: Bei KI kommt Wahrscheinlichkeit vor Wahrheit.

Ich habe bisher hauptsächlich mit ChatGPT gearbeitet. Bis Anfang 2026 galt es in vielen Bereichen als führende Text-KI. Inzwischen lese ich jedoch immer häufiger, dass Claude stark aufgeholt oder sogar überholt hat. Am Ende hilft nur eines: ausprobieren. Und damit rechnen, dass in einem Jahr alles wieder anders aussieht.

Kritische Gedanken zu KI

Wie bereits erwähnt, gibt es gute Gründe, KI kritisch zu betrachten. Für mich stehen dabei zwei Punkte im Vordergrund.

1. Datenschutz

KI lernt aus Daten. Deshalb sollte man sehr sorgfältig überlegen, welche Informationen man eingibt. Mein Rat: Niemals reale Personendaten oder vertrauliche Geschäftsinformationen eingeben. Namen sollten mindestens anonymisiert werden. Einen kompletten Roman oder ein ganzes Sachbuch würde ich ebenfalls nicht in eine KI kopieren, um es überarbeiten zu lassen. Für Unternehmen gibt es zwar kostenpflichtige Lösungen mit besonderen Datenschutzregelungen. Als Privatperson kann man jedoch nicht immer vollständig kontrollieren, was mit den eingegebenen Daten geschieht.

2. Energieverbrauch

KI benötigt enorme Mengen an Energie. Bei einfachen Textanfragen fällt der Verbrauch zwar noch gering aus. Besonders energieintensiv werden jedoch Bild- und Videogenerierungen. Hinzu kommen die Rechenzentren und das Training der Modelle, die einen gewaltigen Strombedarf haben.

Mein persönlicher Einfluss mag klein sein. Trotzdem finde ich, dass wir auch hier Verantwortung übernehmen sollten – indem wir KI bewusst einsetzen und nicht stundenlang sinnlos chatten oder beliebig viele Bilder und Videos erzeugen.

Fazit

Für meine Arbeit an Manuskripten und Blogartikeln ist KI heute ein nützliches Werkzeug. Als Konkurrenz empfinde ich sie momentan nicht. Vielleicht auch deshalb, weil ich nicht ausschliesslich vom Schreiben lebe.

Trotzdem beobachte ich die Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Die Möglichkeiten beeindrucken mich – manchmal machen sie mir aber auch etwas Angst. Vor allem im letzten halben Jahr habe ich den Eindruck gewonnen, dass das Tempo der Entwicklung nochmals deutlich zugenommen hat.

Wohin dies führt, weiss niemand. Umso wichtiger scheint mir, dass wir die Chancen nutzen, ohne die Risiken aus den Augen zu verlieren.

Links zu Personen mit viel KI-Wissen

Es gibt unglaublich viele «KI-Spezialisten». Die unten genannten Personen überzeugen mich mit ihrem kompletten Wissen übers Texten und Bloggen. Von ihnen habe ich in den vergangenen 5–15 Jahren (also hauptsächlich vor der KI-Ära) sehr viel gelernt.

Diesen Artikel schrieb ich ursprünglich für den Blog der Schweizer-Schreibfrauen, bei denen ich seit einigen Jahren Mitglied bin. Dort ist auch ein kurzes Interview mit mir zu finden. Schau einmal vorbei!

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