Was sind Exerzitien?
Exerzititen sind wortlich übersetzt «Übungen». Wenn man jedoch von Exerzitien spricht, sind «geistliche Übungen» gemeint. Doch was steckt dahinter?
Prägend für den Wortgebrauch sind laut Wikipedia die Ignatianischen Exerzitien, also die geistlichen Übungen des Ignatius von Loyola. Dieser wurde 1491 in Spanien geboren und war später einer der Mitbegründer des Jesuitenordens. Kernelemente der Exerzitien sind das Gebet, die Meditation von biblischen Texten und das Hören auf Gott in der Stille.
Das kligt erst einmal sehr katholisch und klösterlich. Was natürlich stimmt: Ignatius war katholisch, die Reformation begann in Deutschland und anderen Ländern erst einige Jahre später – es war also eine «Aufbruchzeit» – und er lebte lange als Ordensgründer und Mönch im Kloster.
Was haben nun diese mittelalterlichen Exerzitien mit meinem Leben zu tun?
Exerzitien sind nicht nur für Mönche
Ignatius beschrieb eine Form von Exerzitien, die auch ganz gewöhnliche Menschen wie du und ich erleben und anwenden können und die helfen, die eigene Spiritualität zu beleben und zu vertiefen. Sie wurden von anderen interessanten und inspirierenden Menschen wie Teresa von Avila oder Johannes vom Kreuz weiterentwickelt und verändert.
Heute gibt es verschiedene Formen von Exerzitien. Zum Beispiel:
- Exerzitien im Alltag dauern einen Monat. Man reserviert sich täglich 20-30 Minuten (oder mehr), um einerseits einen Bibeltext oder einen Text aus der christlichen Mystik zu lesen, zu überdenken und sich darin zu vertiefen. Zudem trifft man sich einmal pro Woche in einer Gruppe, um sich hauptsächlich im Gebet auszutauschen und in der Stille Kraft und Inspiration für die nächsten Tage zu schöpfen.
- Schweige-Exerzitien dauern 4-10 Tage. Man verbringt die Tage schweigend in deiner Gemeinschaft, betet mehrmals täglich gemeinsam, hört und liest Texte und meditiert darüber in der Stille. Einzig bei freiwilligen Begleitgesprächen mit einer Leitungsperson wird gesprochen.
- Grosse Exerzitien im Alltag dauern rund ein halbes Jahr. Sie haben einen ähnlichen Ablauf wie die «Exerzitien im Alltag», aber man trifft sich einmal pro Monat statt wöchentlich.
Was mir Exerzitien geben
Diese drei Formen habe ich in den vergangenen Jahren alle schon erlebt und mitgemacht. Mir geben diese geistlichen Übungen sehr viel Energie und Kraft im Alltag.
Die Fragen nach dem Sinn des Lebens, die vermutlich (hoffentlich) alle immer wieder einmal berühren, finden in diesen Meditations- und Gebetszeiten viele Antworten, aber auch neue Fragen. Ich lerne mich besser kennen und insbesondere lerne ich, meine Gefühle, meine Bedürfmisse, aber auch meine Umgebung und meine Mitmenschen besser wahrzunehmen.

Die Kraft der Stille
Zu allen Exerzitienformen gehört die Stille und damit oft auch das Schweigen in einer Gemeinschaft. Wobei Schweigen keine besonder Kunst oder Tätigkeit ist, sondern eher Mittel zum Zweck: Um Gott und sich selbst wahrzunehmen, um alles, was zwischen Himmel und Erde in Bewegung ist, zu spüren, bedarf es Ruhe und Stille.
Obwohl ich ein kommunikativer Mensch bin und mich gerne mit Bekannten und Freundinnen unterhalte und diskutiere, ist mir das Schweigen und Stillsein sehr lieb geworden. Mit Schweigen und Stillsein meine ich nicht bloss, in der Stille zu lesen, zu schreiben, nachzudenken …, sondern auch in der Stille nichts zu tun, nur zu atmen.
Das ist ungewohnt und musste ich erst einmal üben. Oder genauer: Das übe ich immer wieder, denn im Alltag fällt es mir schwer, wirklich über nichts nachzudenken.
Hast du das schon einmal versucht?

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